Zitzenversiegler: Richtig einbringen und ausmelken

Klinische Mastitiden im ersten Laktationsdrittel kosten den Landwirt rund 460 Euro pro Fall1. Über die Hälfte dieser Mastitiden sind auf Neuinfektionen in der Trockenstehzeit zurückzuführen2. Interne Zitzenversiegler bieten einen hohen Schutz vor Neuinfektionen in der Trockenstehzeit. Das enthaltene schwere, basische Bismutnitrat simuliert den bei Hochleistungskühen häufig mangelhaft ausgebildeten Keratinpfropf und schützt das Euter als mechanische Barriere vor dem Eindringen von Keimen. Bei der Applikation und dem Ausmelken eines internen Zitzenversieglers müssen jedoch wichtige Punkte beachtet werden.

Meist werden interne Zitzenversiegler in Kombination mit antibiotischen Trockenstellern eingesetzt. Antibiotische Trockensteller dienen der Ausheilung subklinischer Mastitiden über die Trockenstehzeit und interne Zitzenversiegler reduzieren das Risiko von Neuinfektionen.
Beginn und Ende der Trockenstehzeit sind als besonders kritisch für Neuinfektionen mit umweltassoziierten Keimen (Sc. uberis, Enterokokken, coliforme Keime) einzuschätzen.
Durch mangelnde Anwendungshygiene bei der Verabreichung von Euterinjektoren können beim Trockenstellen Umweltkeime in den Strichkanal eindringen. Mit Einstellen des Melkens und des dadurch entfallenden Spüleffektes siedeln sich die eingebrachten Keime im Euter leicht an. Das Risiko kann durch Euterinjektoren zur kurzen Instillationsmethode, bei der die Injektorspitze maximal 5 mm in den Strichkanal eingeführt wird, minimiert werden3,4.

Die meisten antibiotischen Trockensteller wirken zwar gut gegen grampositive Erreger, sind aber gegenüber den coliformen Keimen unwirksam.

Darüber hinaus ist zwei Wochen nach dem Trockenstellen bei 40 % und sechs Wochen nach dem Trockenstellen bei 30 % der Zitzen kein schützender Keratinpfropf ausgebildet5. Zum Ende der Trockenstehzeit ist das Infektionsrisiko durch das Fehlen bzw. die Rückbildung bestehender Keratinpfropfen sowie den abfallenden Wirkspiegel verabreichter antibiotischer Trockensteller um ein Vielfaches erhöht.

Das sachgemäße Einbringen und Ausmelken des internen Zitzenversieglers ist von enormer Bedeutung. In beiden Fällen muss die Zitzenbasis mit den Fingern fest verschlossen werden, damit der Zitzenversiegler in der Zitzenzisterne verbleibt. Gelangt er in das darüber liegende Drüsengewebe muss man nach dem Abkalben noch längere Zeit mit weißen Flocken in der Milch rechnen. Diese Zitzenversiegler-Flocken sind für das Kalb jedoch unbedenklich.

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Quellen:
1. Lührmann B.: Was kostet eine Mastitis? Vortrag, 18. Gießener Rindergesundheitstag, 7. Nov. 2007..
2. Green M. J. et al.: Influence of dry period bacterial intramammary infection on clinical mastitis in dairy cows. J Dairy Sci 85(10): 2589–2599, 2002.
3. Boddie R. L., S. C. Nickerson: Dry Cow Therapy: Effects of Method of Drug Administration on Occurrence of Intramammary Infection. J Dairy Sci 69: 253-257, 1986.
4. Nickerson S. C.: Resistence mechanisms of the bovine udder: new implications for mastitis control at the teat end. J Am Vet Med Assoc. 191 (11): 1484-1488, 1987.
5. Bradley A. J. et al.: An investigation of the dynamics of intramammary infections acquired during the dry period on European dairy farms. J Dairy Sci 98: 6029–6047, 2015.

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