Umwidmung/Therapienotstand

Seit dem 1. Januar 2000 dürfen bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen, nur noch Arzneimittel angewendet werden, die nur Wirkstoffe enthalten, die in den Anhängen I bis III der Verordnung des Rates (EWG) 2377/90 genannt sind. Für alle anderen Arzneimittel gilt ein Anwendungsverbot. Gemäß § 56a Abs. 1 AMG dürfen nur Arzneimittel angewendet werden, die für die zu behandelnde Tierart und die diagnostizierte Indikation zugelassen sind. Falls für die Behandlung kein zugelassenes Arzneimittel zur Verfügung steht und die notwendige arzneiliche Versorgung der Tiere ernstlich gefährdet ist, entsteht ein so genannter „Therapienotstand“.

In diesem Fall kann ein Arzneimittel umgewidmet werden. Mit Umwidmung ist die Anwendung eines Arzneimittels gemeint, das nur für andere Tierarten bzw. für den Menschen oder für eine andere Indikation zugelassen ist. Der Tierarzt trägt dann die Verantwortung für eventuelle aus der Umwidmung resultierende Schäden beim Patienten, Anwender oder Verbraucher von Lebensmitteln, die von den behandelten Tieren gewonnen wurden. Die Produkthaftung des pharmazeutischen Unternehmers entfällt. Die Feststellung eines Therapienotstandes muss für jeden Einzelfall auf der Basis objektivierbarer Befunde vorgenommen werden.

Bei Hobbytieren gibt es bei einem Therapienotstand praktisch keine Anwendungsverbote, bei lebensmittelliefernden Tieren dürfen hingegen auch hier nur Arzneimittel angewendet werden, die in Anhang I bis III der EWGVerordnung 2377/90 aufgeführt sind. Des Weiteren dürfen diese bei lebensmittelliefernden Tieren nur durch den behandelnden Tierarzt angewendet werden, eine Abgabe zur Anwendung durch den Tierhalter ist nur zulässig, wenn der Tierbestand vom Tierarzt in monatlichen Abständen regelmäßig begutachtet wird.

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