Enzootische Pneumonie (EP) – "FERKELGRIPPE"

Die enzootische Pneumonie (EP) führt in der Schweineproduktion immer noch zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Dabei stehen weniger die direkten als vielmehr die indirekten Verluste, wie verminderte Tageszunahmen, schlechtere Futterverwertung und „Kümmern“ im Vordergrund.

Ursachen

Der ursächliche Erreger ist Mycoplasma hyopneumoniae. Er ist weltweit verbreitet und kommt mehr oder weniger latent in den Schweinebeständen vor. Die EP kann sehr unterschiedlich verlaufen, von subklinisch bis akut.

Durch seine initiale Schädigung der Atemwegsschleimhaut übt er de facto eine „Wegbereiterfunktion“ für so genannte Sekundärinfektionen aus, z. B. mit

  • Pasteurella multocida
  • Hämophilus parasuis
  • Actinobacillus pleuropneumoniae u.
  • Bortedella bronchiseptica

Erst diese Sekundärinfektionen führen, in Kombination mit Hygienedefiziten, zur eigentlichen, schwerwiegenden Erkrankung. Die Infektion kann sowohl vertikal (Sau auf Ferkel) als auch horizontal (direkter Kontakt u. aerogene Übertragung bei Tierzusammenstellung) verlaufen.

Symptome

In Abhängigkeit des mehr oder weniger kombinierten Auftretens (in der Regel > 80% Mischinfektion) dieser „Sekundärkeime“ mit Mycoplasma hyopneumoniae stellt sich das klinische Bild sehr variabel dar. Von klinischer Unauffälligkeit bis zu akuten/perakuten Fällen variiert bestandsspezifisch das Krankheitsgeschehen. Charakteristisch ist ein lang andauernder, trockener Husten. Erste Symptome werden in der Regel nach Stresssituationen beobachtet. (Einstallungen in Flatdeck/Mast). Fieber und starke Dyspnoe sind bei unkomplizierten Verlauf zunächst nicht zu erwarten. Werden Sie dennoch beobachtet, spricht alles für eine bereits stattgefundene Sekundärinfektion, mit z. B. Pasteurellen, die dann eigentlich die Ursache für Krankheitsverlauf mit schweren Bronchopneumonien darstellen. Die Sterblichkeitsrate kann bis zu 10% betragen. Unspezifische Symptome wie verringerte Futteraufnahme, Kümmern, Konditionsschwäche und stärkeres „Auseinanderwachsen“ sind bedeutungsvoll und verantwortlich für den eigentlichen wirtschaftlichen Schaden.

Diagnose

Neben dem klinischen Bild und den Lungenbefunden (Schlachttierbefundung) ist eine histologische Untersuchung geschädigter Lungen erforderlich. Die exakte Diagnose gelingt schließlich nur durch den definitiven Erregernachweis bzw. seiner spezifischen Antikörper. Eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt ist deshalb Grundvoraussetzung. Nur eine gesicherte Diagnose ermöglicht gezielte prophylaktische und therapeutische Interventionen.

Die klinische Abgrenzung zu anderen Atemwegserkrankungen ist auf Grund des ursächlich multifaktoriellen Geschehens oft schwierig, da sich die Symptomatik stark ähnelt.

Der Hoftierarzt ist gefragt!

Labordiagnostische Untersuchungen, insbesondere der direkte und indirekte Erregernachweis, sind unbedingt erforderlich, um die Kausalität als Grundlage für die spätere Prophylaxe (Impfung) und Therapie (richtige Antibiotikaauswahl) sicher zu stellen.

Prophylaxe und Therapie

Das Primat haben eindeutig alle hygienische Maßnahmen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen. Sie bestehen in der Optimierung von

  • Stalltemperatur
  • Luftfeuchtigkeit
  • Schadgasreduzierung
  • Rein-Raus-Prinzip
  • Quarantäne
  • Parasitenbekämpfung

entsprechend bekannter tierhygienischer Normen (Check-up mit Hoftierarzt). Der konsequente Einsatz, heute umfangreich zur Verfügung stehender Mycoplasmen-impfstoffe, hat sich bewährt und positive Ergebnisse erzielt. Für die Therapie und Gruppen-Metaphylaxe, die nach wie vor notwendig ist (Neuausbrüche, Einzeltierbehandlung), sind hochwirksame Antibiotika auszuwählen, mit vorwiegend mycoplasmazider Wirkung und breitem Wirkungsspektrum, da in der Regel Mischinfektionen vorliegen. Die Empfindlichkeit der einzusetzenden Antibiotika ist mittels Resistenztests abzuklären. Prophylaxe und Therapie der Enzootischen Pneumonie mit dauerhaften Erfolg sind nur möglich, wenn Schweineproduzent und Hoftierarzt gemeinsam die sehr komplexe Bekämpfungsstrategie realisieren!

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