Paratuberkulose, Johnesche Krankheit

Es handelt sich um eine chronisch verlaufende, bakterielle, meldepflichtige Infektionskrankheit, an der adulte, ältere Kühe erkranken. Sie verenden entweder oder sie müssen wegen fortschreitender Abmagerung bis zur Kachexie notgetötet werden.
Zur Zeit nehmen die Erkrankungsfälle wieder deutlich zu. Dabei ist die Verbreitung bei Rindern und Schafen regional sehr unterschiedlich. In Süddeutschland liegt eine geringere Anzahl von Infektionen vor, als in Mittel- und Norddeutschland.
In befallenen Herden erkranken nacheinander immer nur einzelne Tiere. Insbesondere Kühe nach dem Abkalben sind besonders betroffen.
Eine Rasseprädisposition liegt bei Jersey, Shorthorn, Charolais, Deutsche Schwarzbunte und Holstein-Frisian vor.

Ursachen

Die Paratuberkulose / Johnesche Krankheit wird durch Mycobacterium paratuberculosis hervorgerufen.
Es ist ein säure- und alkoholfestes Bakterium von feiner Stäbchenform, das in Kot, Darmschleim und Darmgewebe nesterartig zusammenliegt. Mit Hilfe der Ziehl-Neelsen-Färbung ist es in Ausstrich- und Abklatschpräparaten gut nachweisbar.
Es kommt insbesondere zu einer vertikalen Ausbreitung- von der Kuh auf das Kalb, intrauterin, via Muttermilch oder durch infizierten Kot.
Zu einer horizontalen Ausbreitung kommt es leicht unter Kälbern, die besonders für das Bakterium empfänglich sind.
Oft handelt es sich um klinisch stumme Ausscheider, die über Jahre Krankheitserreger abgeben, jedoch keine klinischen Symptome zeigen. Zur Manifestation klinischer Symptome kommt es oftmals erst, wenn die allgemeine Abwehrlage durch äußere und innere Einflüsse, wie z. B. Trächtigkeit, Futterwechsel, Mangelernährung usw. stark geschwächt sind.
Erkrankungen von Jungtieren sind die Ausnahme.

Symptome

Zunächst kommt es zu einer wechselnden Kotkonsistenz, später zu einem permanenten, unstillbaren Durchfall mit wäßriger Kotbeschaffenheit. Oftmals ist dieser mit feinen Gasbläschen durchsetzt. Parallel magert das Tier hochgradig ab. Die Milchleistung fällt ab und das Tier wird allmählich anämisch und exsikkotisch. Das Haarkleid wird struppig, die Haut lederartig, fest und unelastisch. Die Körperinnentemperatur, das Allgemeinbefinden, der Appetit sowie die Herz- und Atemfrequenz bleiben dagegen längere Zeit unverändert. Der Tod tritt schließlich nach monatelanger Krankheitsdauer infolge Entkräftigung (Kachexie) ein.

Diagnose

Die sichere Diagnose am Einzeltier ist intra vitam nicht möglich. Empfehlenswert ist hier die diagnostische Schlachtung. Bei der Sektion sind die hirnwindungsartigen, nicht verstreichbaren Falten in der verdickten entzündeten Darmwand vom Jejunum, Ileum und Caecum pathognomonisch. Die Ileo-Caecalklappe kann ödematös verdickt sein. Die Darmlymphknoten sind oft involviert und markig geschwollen. Morphologische Veränderungen können außer Anzeichen einer Abmagerung oder Kachexie (Einschmelzung aller Fettdepots) auch völlig fehlen.
Mit Ausnahme des Vorberichts, nach dem immer wieder einzelne Tiere Durchfall, Abmagerung und Milchrückgang zeigen, und dem Rektalbefund, bei dem die verdickte, faltige Rektumschleimhaut zu palpieren ist, liegen klinisch keine eindeutigen Befunde vor, die direkt auf die Infektion mit Mycobacterium paratuberculosis schließen lassen. Allergische, das heißt der Intrakutan-Simultantest, und serologischen Proben erlauben oft auch keine eindeutigen Aussagen.
Die Herdendiagnose steht im Vordergrund. Hierzu stehen serologisch die Komplementbindungsreaktion (KBR) und der mikroskopische und kulturelle Nachweis der Erreger im Kot nach einer Anreicherung zur Verfügung. Die histologische Untersuchung des terminalen Hüftdarms und der zugehörigen Lymphknoten nach einer Probeschlachtung stehen ebenfalls zur Verfügung. Hier wird u.a. die Ziehl-Neelsen-Färbung für den direkten Nachweis der Bakterien im Gewebe angewendet. Der direkte bakteriologische Erregernachweis ist auch nach einer Anreicherung unsicher.

Zu den Differentialdiagnosen zählen die Salmonellose, die Amyloid-Nephrose, Endoparasitosen, wie Magen-Darm-Würmer, Kokzidien und unspezifische fütterungsbedingte Durchfälle.

Prophylaxe

Besondere Sorgfalt ist dem Zukauf von Rindern zu widmen. Die Tiere sollten nur aus freien Beständen zugekauft werden.
Natürlich steht auch hier wieder die Hygiene im Stall an erster Stelle.
Die Vorbeugemaßnahmen müssen auf die regionalen Unterschiede Rücksicht nehmen. Während z. B. in Mittel- und Norddeutschland wegen des möglichen Keimreservoirs der Kontakt der Rinder mit Schafen zu vermeiden ist, kommt dieser Maßnahme in Süddeutschland nur eine geringe Bedeutung zu.
Staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung gibt es derzeit noch nicht.

Therapie

Jegliche Therapieansätze gelten als erfolglos. Sie verlängern die Gefahr einer weiteren Ausbreitung im gesamten Bestand. Aus diesem Grund wird die sofortige Merzung der infizierten Tiere empfohlen.

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