Bovine Virusdiarrhö / Mucosal Disease (BVD / MD)

Die Bovine Virusdiarrhö stellt zur Zeit eine der wichtigsten, am weitesten verbreiteten und verlustreichsten Infektionskrankheiten des Rindes dar. Die Erkrankung kommt heute weltweit vor.
Die Bovine Virusdiarrhö ist eine ansteckende, vorwiegend unter dem Bild der Diarrhö verlaufende Viruskrankheit, die überwiegend jüngere Tiere befällt und meist zum Tod führt. Im Bestand kann sie enzootischen Charakter annehmen. Sie kann mit Veränderungen an sichtbaren Schleimhäuten und der äußeren Haut einhergehen (MD).
In Deutschland besteht eine Meldepflicht.

Ursachen

Der Erreger ist ein RNS-haltiges Pestivirus, das ubiquitär vorkommt.
Gegenüber Desinfektionsmitteln und äußeren Einflüssen ist das Virus sehr empfindlich.

Symptome

Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 14 Tage, in der Regel 7 bis 9 Tage.
Es werden verschiedene Formen erwähnt:

- Perakute, septikämische Form
Ohne Ausbildung klinischer Erscheinungen (eventuell unter Fieber, Schleimhauthyperämie) kommt es innerhalb weniger Stunden zum Tod. Bei der Sektion sind manchmal Schleimhauterosionen nachweisbar.

- Akute, enteritische Form (Virusdiarrhö)
Innerhalb von 1 bis 3 Tagen kommt es zu einem deutlichen Temperaturanstieg, über 40,5°C, zu einer Schleimhauthyperämie, Nasen- und Augenausfluss und Durchfall kann auftreten. Die Letalität beträgt innerhalb weniger Tage 100 %. Abhängig von der Dauer der Erkrankung treten auch Läsionen an den Schleimhäuten, Präputium und zwischen dem Klauenspalt auf. Diese Form kommt am häufigsten vor.

- Subklinische Form
Diese Form spiegelt sich, wenn klinische Symptome vorhanden sind, in serösen Nasen- und Augenausfluss und einem vorübergehenden Temperaturanstieg wieder. Bei der stummen Durchseuchung zeigen die betroffenen Tiere ein ruhigeres Erscheinungsbild, als die übrigen Stallgenossen.

- Chronische Form
Diese Form betrifft sowohl ältere Tiere, als auch jüngere. Die Tiere zeigen zunächst Durchfall, der jedoch protrahiert und milder verläuft und über Wochen und Monate bestehen bleiben kann. Die betroffenen Tiere werden kachektisch und zeigen im Endstadium eventuell Schleimhautläsionen. Es kann jedoch auch zu einer Genesung kommen.

- Schleimhautform (Mucosal Disease)
Die Letalität beträgt hier 100 %. Diese charakteristische Form tritt nur bei Virämikern, virämischen Jungtieren, auf. Die klinischen Symptome äußern sich in hohem Fieber, über 40,5°C, katarrhalischen, später erosiv-ulzerativen, auch eitrig-nekrotisierenden Schleimhautentzündungen, profusen Durchfall, Nekrosen der Interdigitalhaut, Hautexanthem, Apathie, Anorexie und Leukopenie. Eine Keratokonjunktivitis mit einer Korneatrübung oder einem Ulcus corneae kann auch beobachtet werden.

- Respiratorische Form
Hierbei kommt es zu einer Primärinfektion der Atemwege. Nasenausfluss, Husten, eine Bronchopneumonie, die meist therapieresistent ist, sowie Fieber, Schleimhautläsionen, Durchfall und eine Leukopenie können beobachtet werden.

- Intrauterine Infektion (Genitalform)
Nach Infektion des graviden Uterus kann es zum Absterben der Frucht, Mumifikation, Abort, Nachgeburtsverhaltung, Endometritis, Geburt lebensschwacher Kälber oder, wenn die Infektion vor dem 120. Tag erfolgt, missgebildete Tiere (Abort, Mumifikation) kommen. Eine Infektion vor dem 120. Tag kann aber auch zu einem lebenslangen Virusträger, das heißt das Tier ist persistent virämisch, führen. Diese Tiere sind unfähig spezifische Antikörper gegen dieses Virus zu bilden (Immuntoleranz), da das Immunsystem vor dem 120. Tag das Virus nicht als „fremd“ anerkennt. Die persistent virämischen Tiere können post natum das Virus ausscheiden, ohne klinische Symptome zu zeigen. Werden diese Tiere (super-) infiziert, erkranken sie in der Regel an der sogenannten Mucosal Disease (MD). Dieses stellt die Schleimhautform dar, an der die Kälber auch verenden. Erfolgt eine Infektion nach dem 120. Tag werden in der Regel gesunde immunkompetente Kälber geboren.
Das Muttertier kann die eben erwähnten Symptome aufweisen.
Durch die starke immunsuppressive Wirkung des Virus kann es sogar zum Ausbruch schwerer Bestandserkrankungen mit unterschiedlichen klinischen Symptomen kommen.

Diagnose

Anhand der klinischen Symptome lässt sich nur die klassische Mucosal Disease (MD) diagnostizieren. Bei einer BVD / MD-Infektion kann nur der Verdacht geäußert werden. Ein direkter Virusnachweis ist aus Nasen- und Konjunktivalsekret, Blut, Kot und Organmaterial, wie Labmagen und Darmlymphknoten möglich. Die Sektion sichert die diagnostische Aussage, anhand von typischen Läsionen und dem Virusnachweis aus verschiedenen Organen.
Serologisch negative Einzeltiere in Verbindung mit den klinischen Erscheinungen und einem seropositiven Gesamtbestand deuten auch bei einem negativen Virusnachweis auf eine MD hin.

Bösartiges Katarrhalfieber (BKF), IBR / IPV, enzootische Keratokonjunktivitis, Salmonellose, Kokzidiose, MKS und Neugeborenen Diarrhö sind Erkrankungen , die als Differentialdiagnose in Betracht gezogen werden müssen.

Prophylaxe

mpfstoffe sind erhältlich. Es muss jedoch darauf geachtet werden, dass trächtige Tiere vor dem 120. Trächtigkeitstag nicht mitgeimpft werden. Es sind auch Vakzine im Handel, die überhaupt nicht bei trächtigen Tieren verwendet werden dürfen, da Virämiker oder missgebildete Kälber entstehen können.
Weiterhin besteht die Möglichkeit alle Rinder unter 2 Jahren serologisch zu untersuchen.
Die immuntoleranten Virämiker (seronegativ) sollten einer Merzung unterliegen.

Therapie

Eine wirksame Therapie gegen die BVD / MD-Infektion ist nicht bekannt. Die klinischen Symptome können gegebenenfalls, bei einer Ablehnung einer Merzung, herangezogen werden.

 

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