Kälberdurchfall

Fragen zu Durchfall und oraler Rehydration


Fragen und Antworten zu Durchfall und oraler Rehydratation

Warum verursachen Durchfallerkrankungen enorme wirtschaftliche Einbußen?
Die wirtschaftlichen Einbußen bei Durchfallerkrankungen werden verursacht durch Kosten für Behandlung und Untersuchung, verminderte Gewichtszunahmen, deutlich erhöhten Arbeits- und Betreuungsaufwand und Todesfälle. Außerdem sind sie häufig Eintrittspforte für Sekundärinfektionen.

Was sind die Hauptursachen für nicht-infektiösen Kälberdurchfall?
Fehler in Tränketechnik und Haltung der Kälber spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Durchfallerkrankungen. Zum Beispiel begünstigen zu wenig oder zu viel Milch bzw. MAT pro Mahlzeit, zu warme oder zu kalte Tränke, Lagerungs- und Mischungsfehler des MAT ebenso wie schlechte Stallhygiene und Zugluft das Auftreten von Durchfallerkrankungen. Von besonderer Bedeutung ist außerdem die optimale Kolostrumversorgung des neugeborenen Kalbes.

Welche Erreger sind die wichtigsten infektiösen Ursachen für Kälberdurchfälle?
Die wichtigsten Durchfallerreger beim Kalb sind Rota- und Coronaviren, bakterielle Erreger wie Escherischia coli (E. coli) und Salmonellen sowie einzellige Parasiten wie Kryptosporidien und Kokzidien. Was ist eine „osmotische Diarrhö“? Eine osmotische Diarrhö entsteht zum Beispiel bei einer Infektion mit Rotaoder Coronaviren. Die Zottenspitzen der Darmschleimhaut sind für die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm zuständig. Durch Rota- und Coronaviren werden diese Darmzotten zerstört. Nährstoffe bleiben als osmotisch wirksame Teilchen im Darm und Wasser strömt somit in das Darmlumen („osmotische Diffusion“).

Was ist eine „osmotische Diarrhö“?
Eine osmotische Diarrhö entsteht zum Beispiel bei einer Infektion mit Rotaoder Coronaviren. Die Zottenspitzen der Darmschleimhaut sind für die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Darm zuständig. Durch Rota- und Coronaviren werden diese Darmzotten zerstört. Nährstoffe bleiben als osmotisch wirksame Teilchen im Darm und Wasser strömt somit in das Darmlumen („osmotische Diffusion“).

Was ist eine „sekretorische Diarrhö“?
Eine sekretorische Diarrhö entsteht zum Beispiel bei einer Infektion mit E. coli Bakterien. Enterotoxische E. coli führen zu einer massiven Sekretion von Chloridionen in das Darmlumen. Zur Aufrechterhaltung der Elektroneutralität folgen Natriumionen nach. Aufgrund des dadurch entstehenden osmotischen Gradienten strömt vermehrt Wasser in das Darmlumen, es entsteht die sogenannte „sekretorische Diarrhö“.

In welchem Alter erkranken Kälber am häufigsten an Durchfall?
Vor allem neugeborene Kälber und Kälber in den ersten vier Lebenswochen erkranken an Durchfall. Während E. coli Infektionen in der ersten Lebenswoche erfolgen, überwiegen in der zweiten und dritten Lebenswoche die rota- und coronavirusbedingten Durchfälle. Kryptosporidien spielen von der ersten bis zur vierten Lebenswoche eine Rolle, während Eimerien (Kokzidien) in der Regel erst ab der dritten Lebenswoche ätiologisch eine Rolle spielen.

Welches ist das bedeutendste klinische Symptom bei Durchfall?
Das augenscheinlichste Symptom bei Durchfall ist der häufigere und vermehrte Kotabsatz. Bei schweren Erkrankungen setzen Kälber bis zu 10% des Körpergewichtes als wässrigen Kot ab. Gesundheitlich weitaus bedeutender für das Kalb sind allerdings die Folgen dieses vermehrten Kotabsatzes.

Was sind die vier Probleme des durchfallkranken Kalbes?
Die größten Probleme für den Organismus entstehen durch die großen Verluste, die durch massiven Durchfall auftreten:

  • Dehydratation
  • Elektrolytverlust
  • Metabolische Azidose (Übersäuerung)
  • Energiemangel

Woran lässt sich der Grad der Dehydratation beim durchfallkranken Kalb klinisch erkennen?
Bei Dehydratation ist das Allgemeinbefinden des Kalbes gestört. Die Beurteilung von Stehvermögen, Enophthalmus, Hautturgor (Aufziehen einer Halsfalte) und Hauttemperatur erlauben eine Einschätzung des Dehydratationsgrades.

  Grad der Dehydration
  ggr.
(bis 4% KG)
mgr.
(4-8% KG)
hgr.
(> 8% KG)
Stehvermögen erhalten liegt viel
in Brustlage
liegt in
Seitenlage
Enophthalmus < 2 mm 2-4 mm > 4 mm 
Halsfalte 4 sek.  6 sek.  > 6 sek. 
Hauttemperatur warm  kühl  kalt 

Was ist eine metabolische Azidose?
Bei der metabolischen Azidose handelt es sich um eine „Übersäuerung“ des Blutes, eine stoffwechselbedingte Abnahme des pH-Wertes im Blut. Die Azidose entsteht vor allem durch den Verlust von Puffersubstanzen, insbesondere Bicarbonat. Der physiologische pH-Wert im Blut beträgt 7,28 bis 7,40. Abweichungen von diesem Wert haben einen negativen Einfluss auf zahlreiche Stoffwechselprozesse, wie zum Beispiel die Aktivität von Enzymen.

Warum schädigt Elektrolytverlust das Kalb?
Elektrolyte sind Stoffe, die in wässriger Lösung in der Lage sind, elektrischen Strom zu leiten. Ihre Verteilung im Körper bildet ein empfindliches Gleichgewicht, das Grundlage für viele wichtige biochemische Prozesse im Körper ist. Zu den wichtigsten Elektrolyten des Elektrolythaushaltes gehören Natrium (Na+), Kalium (K+) und Magnesium (Mg2+) als positiv geladene Teilchen (Kationen), sowie Chlorid (Cl-) und Bicarbonat (HCO3-) als negativ geladene Teilchen (Anionen).

Warum ist Natrium bei der oralen Rehydratation für den Organismus wichtig?
Natrium ist bei dehydrierten Kälbern für den Ausgleich des Elektrolythaushaltes enorm wichtig. Natrium unterstützt den Flüssigkeitsersatz, indem es nach Aufnahme in die Zelle osmotisch Wasser nachzieht. Zusätzlich fungiert es als Co-Transporter für Glukose, befördert diese in die Darmepithelzellen und sorgt so für Energiezufuhr.

Warum ist die Zufuhr von Bicarbonat bei durchfallkranken, dehydrierten Kälbern wichtig?
Bicarbonat ist der wichtigste Puffer, um das Säure-Basen-Gleichgewicht im Blut aufrechtzuerhalten. Bei durchfallkranken Kälbern mit Azidose neutralisiert Bicarbonat die im Blut in zu großem Umfang enthaltenen Säuren.

Welche Bedeutung hat der Energiemangel beim durchfallkranken Kalb?
Neugeborene sind ganz besonders auf hochwertige Nahrung angewiesen. Sie haben durch ihre große Körperoberfläche im Verhältnis zu einem relativ geringen Gewicht eine sehr hohe Stoffwechselrate. Des Weiteren ist ihre Wachstumsrate sehr hoch. Milch erfüllt die Anforderungen an ein hochwertiges Nahrungsmittel in besonderer Weise. Sie enthält viel Energie, Eiweiß sowie zahlreiche Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Die Enzymausstattung des Verdauungstraktes bei neugeborenen Kälbern ist allein auf die Verdauung von Milch ausgerichtet, die vollständige Ausbildung des für Wiederkäuer typischen Vormagensystems erfolgt erst nach einigen Lebenswochen. Durchfall führt zu einer verringerten Resorption von essentiellen Nährstoffen bei gleichzeitig hohem Energiebedarf. Dies erklärt die enorme Bedeutung der Energiezufuhr bei durchfallkranken Kälbern.

Was ist eine kausale Therapie?
Bei der kausalen Therapie geht es darum, die Ursache der Erkrankung zu beseitigen, also zum Beispiel bei einer infektiösen Erkrankung die Erreger zu eliminieren. Voraussetzung ist dafür Kenntnis über die Ursache der Erkrankung.

Was bedeutet „symptomatische Therapie“ bei Durchfallerkrankungen?
Die symptomatische Therapie bei Durchfallerkrankungen muss die Folgen des Durchfalls für das Kalb, die seinen Gesundheitszustand schwer beeinträchtigen, bekämpfen. Durch Flüssigkeitszufuhr muss die Dehydratation bekämpft werden (sogenannte Rehydratationstherapie). Solange das Kalb noch selbständig trinkt, sollte dies oral erfolgen, sonst ist der Ersatz mittels Infusion erforderlich. Für die Wiederherstellung des Gleichgewichts müssen die Elektrolytverluste substituiert werden. Und von besonderer Bedeutung ist die Energiezufuhr, da sich das Kalb ohnehin in einer katabolen Stoffwechsellage befindet. Im Optimalfall wird dazu die Milchfütterung beibehalten. Die oft lebensbedrohliche metabolische Azidose muss unbedingt durch die Zufuhr von geeigneten Puffersubstanzen ausgeglichen werden.

Was ist orale Rehydratationstherapie? Welche Bedeutung hat die orale Rehydratationstherapie?
Die ideale orale Rehydratationstherapie entspricht exakt der beschriebenen symptomatischen Therapie und ermöglicht einfach und effektiv die Bekämpfung der Folgen von Durchfall.

Warum reicht Milch zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz nicht aus?
Vollmilch enthält ausreichend Elektrolyte und Puffersubstanzen, um den laufenden Bedarf eines gesunden Kalbes zu decken. Diese Gehalte reichen aber nicht aus, um die bei Durchfall entstehenden Verluste auszugleichen. Je nach Schwere der Erkrankungen sind also Rehydratationstränken essentiell.

Wenn eine orale Rehydratationslösung die bei Durchfall entstehenden Verluste ausgleichen kann, warum dann noch zusätzlich Milch?
Eine Rehydratationstränke sollte möglichst viel Energie enthalten, damit durchfallkranke Kälber keinen Wachstumsstillstand erleiden oder gar an Gewicht verlieren. In der Regel enthält eine Rehydratationstränke deshalb Glukose. Die Menge an Glukose, die enthalten sein darf, ist jedoch limitiert, da Glukose osmotisch wirksam ist. Bei zu hohen Konzentrationen erfolgt so ein Wassereinstrom aus dem Blut in den Darm und verstärkt damit den Durchfall noch. Die Milch sollte daher als natürlicher Energielieferant auch beim durchfallkranken Kalb weitergetränkt werden. Auch bei eventuell vorhandenen Darmepithelschäden können Nährstoffe aus der Milch resorbiert werden. Kälber müssen daher bei Durchfall nicht abnehmen, sondern können bei fortgesetzter Milchfütterung sogar trotz Durchfall zunehmen.

Warum nicht Bicarbonat als Puffersubstanz in Elektrolytgetränken?
Der derzeit am häufigsten eingesetzte Puffer ist Bicarbonat. Bicarbonat wirkt aber direkt puffernd, führt also schon im – gewünschten – sauren Milieu das Labmagens zu einer Erhöhung des pH-Wertes. Diese pH-Wert-Verschiebung führt zu einer Inaktivierung des Labs, verhindert so die Ausfällung von Casein und hemmt dadurch die Labgerinnung. Die Milch wird ohne Gerinnung schlechter verdaulich und es kann zu Durchfall kommen. Elektrolyttränken, die Bicarbonat enthalten, dürfen daher nicht mit Milch gemeinsam getränkt oder gemischt werden.

Welche Vorteile hat Azetat gegenüber Bicarbonat?
Azetat stellt im Stoffwechsel des Körpers eine Vorstufe von Bicarbonat dar. Das bedeutet: Nach Aufnahme von Azetat wird es erst in der Leber zu Bicarbonat umgebaut. Azetat erfüllt also die ideale Wirkung des körpereigenen Puffers Bicarbonat, ohne schon im Magen zu einer unerwünschten pH-Wert-Erhöhung zu führen. Damit wird die Labgerinnung nicht beeinträchtigt und zusätzlich wird die bakterienabtötende Wirkung, die der saure Mageninhalt zum Schutz des Körpers hat, aufrechterhalten.

Fragen zu Glutellac®

Fragen und Antworten zu Glutellac®:

Was ist Glutellac®?
Glutellac® ist ein freiverkäufliches Diätergänzungsfuttermittel, dass als orale Rehydratationstränke eingesetzt wird. Da es sich nicht um ein Arzneimittel handelt, sondern dem Futtermittelrecht unterliegt, ist ein Eintrag ins Bestandsbuch nicht erforderlich. Allerdings wird dies im Sinne der guten landwirtschaftlichen Praxis empfohlen.

Wie sind die Zufuhrempfehlungen für Elektrolyte und Puffersubstanzen je Liter Tränke bei der oralen Rehydratation und wie ist die in Tränke mit Glutellac® enthaltene Menge?

Was bedeutet der SID-Wert?
Der SID-Wert (Strong Ion Difference) ist ein Maß für die Pufferkapazität einer Rehydratationstränke. Er lässt sich wie folgt berechnen:

mmol Na+ + mmol K+ -mmol Cl- = mmol (SID) Puffersubstanzen

Wie wird Glutellac® dosiert und verabreicht?
Glutellac® erhalten Sie in bruchfesten 50ml-Ampullen. Eine Ampulle Glutellac® entspricht genau einer Tränkeportion. Der Inhalt einer Ampulle wird einfach in die Milch, den Milchaustauscher oder soweit gewünscht auch in Wasser gegeben.

Welches sind die Vorteile von Glutellac®?
Glutellac® erfüllt alle Anforderungen einer modernen oralen Rehydratationstränke. Die Zusammensetzung entspricht den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Ein besonderer Vorteil ist, dass Glutellac® direkt in die Milch gegeben werden kann. Die Puffersubstanz Azetat hat keinen negativen Einfluss auf die Milchverdauung. Arbeitswirtschaftlich betrachtet ist Glutellac® enorm praktisch und effizient. Die Ampullen hat man einfach dabei, sie lassen sich einfach öffnen und eine Ampulle entspricht genau einer Mahlzeit. Milch mit Glutellac® wird von den Kälbern gerne aufgenommen.

Kann Glutellac® auch direkt ins Maul eingegeben werden?
Theoretisch kann Glutellac® auch direkt ins Maul eingegeben werden. Es muß allerdings gewährleistet sein, dass das Kalb dann unmittelbar folgend mindestens eine Tränkeportion Flüssigkeit aufnimmt. Ansonsten kann die hochkonzentrierte Lösung die Dehydratation durch osmotischen Druck eher noch verschlimmern oder zu einer lebensbedrohlichen Kochsalzvergiftung führen.

Wie häufig und wie lange sollte Glutellac® verabreicht werden?
Glutellac® sollte ab dem Auftreten der ersten Symptome zweimal täglich in die Milch gegeben werden. Die Dauer der Gabe richtet sich dabei nach der Dauer des Durchfalls, meist also 1 – 7 Tage. Berücksichtigen Sie unbedingt dabei, dass Glutellac® nicht gegen den Durchfall wirkt. Setzen Sie Glutellac® also auf keinen Fall ab, weil Sie keine Besserung des Durchfalls feststellen! Es empfiehlt sich, dazu den Tierarzt zu befragen.

Wie ist die Akzeptanz von Glutellac®?
Glutellac® wird von Kälbern sehr gut aufgenommen, unabhängig davon, ob es mit Milch, Milchaustauscher oder Wasser angeboten wird.

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