23. Hülsenberger Gespräche - Wiederkäuerernährung im Fokus
Die Kuh als unverzichtbarer Lieferant tierischen Proteins, die Kuh als Nahrungskonkurrent und die Kuh als potentieller "Klimakiller" - das waren die Schwerpunkte der 23. Hülsenberger Gespräche, zu der die Schaumann Stiftung Experten der unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen nach Lübeck eingeladen hatte.
Die Fachtagung verdeutlichte, wie komplex das "System Wiederkäuer" arbeitet und dass es noch viele ungenutzte Ressourcen zu mobilisieren gilt. Dazu zählen beispielsweise ein verbessertes Verhältnis zwischen Erhaltungs- und Leistungsbedarf, höhere Leistungen mit weniger Tieren, mehr Effizienz bei der Futterpflanzenproduktion sowie die Steigerung der Futtermittelverdaulichkeit. Der disziplinübergreifenden Zusammenarbeit von Pflanzenzüchtern, Tierernährern und Tierzüchtern wird eine besondere Bedeutung beigemessen.
Viele Wege führen zur Emissionsreduzierung
Der Ressourcen- und Umweltschutz wird zukünftig eine wesentliche Rolle in der Produktion mit Nutztieren und damit auch in der Tierzüchtung einnehmen. Als bedeutende Möglichkeiten wurden die Effizienzsteigerung der Produktion am Tier selbst, die Erhöhung der Effizienz des gesamten Produktionssystems sowie die direkte Selektion in Richtung Emissionsreduktion genannt. Große Reserven werden in der Futterwirtschaft gesehen. "6.000 Kilogramm Mich aus dem Grünland sind drin", meinte beispielsweise Professor Alois Heißenhuber von der Technischen Universität München und verwies gleichzeitig darauf, dass es zunehmend darum gehe, über differenzierte Landnutzungsverfahren Kompromisse zwischen Leistung, Intensität, Biodiversität und Klimabelastung zu schließen. Auf jeden Fall sei abzuwägen zwischen der Leistung des Wiederkäuers, auch aus weniger hochwertiger Biomasse wertvolle Lebensmittel zu erzeugen, und dem Umstand, dass mit dieser Leistung auch Emissionen an klimawirksamen Gasen verbunden sind. Den häufig zitierten Carbon Footprint bezeichnete er zum jetzigen Zeitpunkt eher als Marketinginstrument denn als wissenschaftlich fundierte Messgröße. "Wir brauchen aber dringend einen verlässlichen Summenindikator, um ein Produkt zu klassifizieren", so Heißenhuber, "sonst ist der Verbraucher mit der Informationsbewertung überfordert."
Verdaulichkeit des Grundfutters verbessern
Die größte Herausforderung für die Tierernährung weltweit, und das nicht nur mit Blick auf den Methanausstoß, sieht Professor Karl-Heinz Südekum von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn in der Entwicklung geeigneter Analyseverfahren, die den Strukturwert und die Verdaulichkeit von Faserfraktionen berücksichtigten. Grünland stelle zwei Drittel der Futtergrundlage. Dies zeige die Bedeutung, Faserfraktionen dieser Futterquelle besser verdaulich zu machen. Zudem halte er eine differenziertere Bewertung der Essigsäure für notwendig. "Auch die Proteinbewertung der Silage bedarf dringend der Überarbeitung", mahnte er an. Forschungsbedarf sehe er zudem bei der Bestimmung von Stärke, vor allem für die wichtigen Koppelprodukte Pülpen, Rübenerzeugnisse oder Ölsaatenprodukte.
Futterbausysteme konkurrieren miteinander
Prof. Friedhelm Taube von der Christian-Albrechts-Universität beschäftigte sich mit der effizienten Ressourcennutzung über Futterbausysteme und zitierte Versuche, die auf dem Versuchsbetrieb Karkendamm in Schleswig-Holstein durchgeführt werden. Die effiziente Grobfuttererzeugung müsse eine Vielzahl, teils einschränkender Einzelaspekte berücksichtigen. Dazu zählten die Nutzung der Ressourcen Boden, Wasser, Nährstoffe und Energie sowie die Einhaltung von gesetzlichen Schutzzielen wie Wasser- und Klimaschutz oder Biodiversität. In Konkurrenz zueinander stünden Futterbausysteme auf Grünland, Maismonokulturen und Ackerfutterfruchtfolgen.
Quelle: agro-news




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